Smart-Phone

03.03.2015 15:00

Stantz hatte sein neues Smartphone im Bistro nur einmal kurz hervorgeholt & gesurft. Er war der einzige Gast. Er hatte etwas bestellt, wollte aber nicht, daß die Besitzerin, die allein im Laden war, ihn sähe mit diesem Gerät. Er hätte sich ja schämen müssen! Er war auch noch recht früh dran. Heute benahm er sich ganz besonders höflich, weil er nicht den Eindruck erwecken wollte, er hätte sich in sie, die Besitzerin oder in eine ihrer Dienerinnen vergafft. Er schaute betont streng, gezielt in eine Richtung, wo sie ganz bestimmt nicht zu finden war. Zwei Kundinnen kamen in der Zeit, in der er auf sein Essen wartete, herein. Später erschien die dickliche Angestellte. Guste Daimchen, so nannte er sie schon vom ersten Augenblick an, sie, die viel besser in einer deutschen Fleischerei hineinpaßte als in ein französisches Bistro! Schade, daß Mophelia nicht da war. Immerhin stellte die Chefin das Radio leiser, nachdem sie ihm die Speise gebracht. Er aß, las & wollte wieder heim. Käse kaufte er noch. Als er alles verstaut hatte, hörte er die elektronische Türglocke. Er verabschiedete sich von der Besitzerin, & obwohl sie ihm seinen Gruß quittierte, schaute sie rasch an ihm vorüber Richtung Fenster, so als sei es ihr unangenehm, zusammen mit ihm in einer Unterhaltung gesehen zu werden. Überhaupt fragte er sich jetzt, ob man ihn dort als Stammgast ausreichend zu schätzen wußte. Der Gast aber, der das Klingeln ausgelöst hatte, war Mophelia selbst! So spät, sagte sich Stantz. Daß sie ihre reizende schwarze Hornbrille nicht aufhatte, mißfiel ihm geradezu.

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